Das rasche Wachstum des Ortes Roisdorf hatte in der Mitte des 19. Jahrhunderts den Wunsch der Bevölkerung verstärkt eine eigene, von Alfter unabhängige Pfarrgemeinde zu bilden. In der 1772 geweihten Kapelle des hl. Sebastian durften nur gelegentlich Sonntagsmessen gehalten werden – mehr ließ der Alfterer Pfarrer nicht zu. Gleichwohl gründete sich 1860 auf einer allgemeinen Versammlung der Roisdorfer Bevölkerung der „Katholische Verein“, der die Gründung der Pfarrgemeinde vorbereiten sollte: Nicht nur das Erzbistum galt es zu überzeugen, vor allem waren Mittel für den Bau einer eigenen Pfarrkirche aufzubringen. Ein „Ziegelbauverein“ begann damit, in Eigenarbeit Steine für den Kirchenbau herzustellen.

Mitgliedsurkunde des „Katholischen Vereins“

Trotz der Widerstände von kirchlicher und staatlicher Seite hatte das beharrliche Engagement der Roisdorfer schließlich Erfolg: Nach den Plänen von Heinrich Nagelschmidt erbaut, konnte 1876 die schöne neue Sebastianuskirche geweiht werden. 1887 trat Joseph Heilgers sein Amt als Rektor der Roisdorfer Filialgemeinde an – 1891 wurde er endlich als Pfarrer der eigenständigen Pfarrgemeinde Roisdorf eingeführt. Es folgte die Vervollständigung der Ausstattung der Kirche sowie 1896 der Bau des Kirchturms nach Plänen des Bonner Baumeisters Anton Rüppel.

Als erster kirchlicher Verein hatte sich bereits 1890 der „Gesangverein Cäcilia“, der Roisdorfer Kirchenchor gegründet, der unter der Leitung von Hauptlehrer Johann Heister fortan die kirchlichen und weltlichen Feiern und Feste mit seinem Gesang verschönte. Voller Vorfreude darauf, dass sich das Roisdorfer Pfarrleben mit allem, was dazu gehört, entfalten werde, gingen die Roisdorfer in das neue Jahrhundert.

Pfarrkirche St. Sebastian mit Pastorat - Innenansicht

Marienstatue der ehemaligen Sebastianus-Kapelle
und Kreuzwegstation der alten Pfarrkirche

Kirchenchor mit Pastor Heilgers und Chorleiter Heister