Auch nach mehr als 40 Jahren, in denen sie nicht mehr zu sehen waren, stehen ihre Motive vielen Roisdorfern noch lebendig vor Augen: Die 14 Stationen des Kreuzwegs, die in der alten Pfarrkirche St. Sebastian an den Wänden der Seitenschiffe angebracht waren.

Die großformatigen Kupfertafeln zeigten die einzelnen Szenen der Passion Jesu – von der Verurteilung über die Kreuzigung bis zur Grablegung – jeweils in streng komponierten und fein gemalten Figurengruppen, wobei der goldglänzende, ornamentierte Hintergrund die auf wenige Personen reduzierten Szenen gleichsam ikonenhaft erscheinen ließ. Zwar waren Jesus und die übrigen Personen detailreich und in den Gewändern ihrer Zeit abgebildet, doch vermied die Darstellung jede Dramatik oder gar Drastik des Geschehens: Lediglich aus der Herzwunde des Kreuz hängenden Jesus rinnen einige Tropfen Blut. Kein Gesicht war hass- oder schmerzverzerrt, kein Mund zur Klage geöffnet, alle Beteiligten erschienen vielmehr still und ernst, mitfühlend und trauernd in sich gekehrt. Die Szenen boten somit weniger die Erzählung des historischen Ablaufs der Passion als vielmehr eine überzeitliche Betrachtung des Heilsgeschehens. Sie luden eindringlich zur Versenkung im Gebet ein.

Geschaffen wurden die Kreuzwegstationen, wie eine alte Inventarliste ausweist, im Jahre 1889 in der Beueler Malerwerkstatt Waldhoff, die auch die Figuren des damaligen Hochaltars von St. Sebastian farbig gefasst hatte. Der Name des ausführenden Künstlers bleibt in der Inventarliste ungenannt. Die Stationen gehörten somit zur Grundausstattung der 1876 fertig gestellten und 1892 geweihten Pfarrkirche. Mit passend zur Kirchenarchitektur und zu den Altären in neuromanischem Stil gestalteten Rahmen versehen hingen sie an den Wänden der beiden Seitenschiffe und ermöglichten es somit, den Kreuzweg in der Kirche als Prozessionsweg abzugehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm man sie bei Umgestaltungen des Kircheninneren aus ihren als altmodisch empfundenen Rahmen und hängte sie zu Gruppen zusammengestellt und mit schlichten Holzleisten versehen wieder auf.

Im Jahre 1969 wurden sie dann – allerdings offenbar wenig behutsam – abmontiert. Sie sollten wohl nach erfolgter Renovierung der Kirche wieder angebracht werden, doch kam es bekanntlich nicht hierzu, sondern zum Abriss und zum Neubau der Kirche an anderer Stelle, so dass die nun entbehrlich gewordenen Kreuzwegstationen nicht mehr benötigt wurden. Lange Zeit galten sie als verschollen, doch waren sie aufbewahrt worden.

Sie lagerten schließlich auf dem Dachboden über der Garage des Pfarrhauses, von wo sie jüngst auf Initiative des Liturgieausschusses heruntergeholt wurden.

Zwar waren sie verstaubt und angestoßen, doch bis auf einige Tafeln, an denen Farbe abgeplatzt war, hatten sie die jahrzehntelange Lagerung auf dem Dachboden recht gut überstanden.

1. Station:
Jesus wird zum Tod verurteilt
2. Station:
Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
3. Station:
Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
4. Station:
Jesus begegnet seiner Mutter
5. Station:
Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
6. Station:
Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
7. Station:
Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
8. Station:
Jesus begegnet den weinenden Frauen
9. Station:
Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
10. Station:
Jesus wird seiner Kleider beraubt
11. Station:
Jesus wird ans Kreuz genagelt
12. Station:
Jesus stirbt am Kreuz
13. Station:
Jesus wird in den Schoß seiner Mutter gelegt
14. Station:
Jesus wird in das Grab gelegt

© Text: E. Gierlich; © Fotos: Th. Bremm