Über das Leben des heiligen Sebastian gibt es kaum historisch gesicherte Angaben. Gemäß der Überlieferung ist er in den Jahren der Christenverfolgungen von 303 bis 305 n. Chr. in Rom den Märtyrertod gestorben

Der Legende nach war er Hauptmann der Prätorianergarde am kaiserlichen Hof Diokletians, also Offizier der kaiserlichen Leibgarde zur Zeit der großen Christenverfolgungen. Sebastianus ist die griechische Übersetzung von Augustianus und bedeutet "dem Kaiser zugehörig". Er verheimlichte am Hof seinen christlichen Glauben, aber seine Stellung erlaubte es ihm, seinen Glaubensgenossen in den Gefängnissen Roms beizustehen. Er sprach ihnen Mut zu und sorgte für die Bestattung der Märtyrer. Außerdem bekehrte er viele Römer, darunter auch römische Adlige. Er leistete dem Opfergebot für die traditionellen römischen Staatsgötter keine Folge und als sein christlicher Glaube bekannt wurde, verurteilte ihn Diokletian zum Tode, ließ ihn an einen Baum binden und von Bogenschützen erschießen. Daraufhin ließ man ihn am Hinrichtungsort liegen. Er war jedoch nicht tot, so dass die Witwe eines Märtyrers namens Irene sich seiner annehmen und ihn wieder gesund pflegen konnte. Nachdem er sich wieder erholt hatte, trat er dem erstaunten Kaiser öffentlich entgegen um ihm die grausame Sinnlosigkeit seiner Verfolgungen vorzuhalten. Diokletian ließ ihn daraufhin im Hippodrom des Palatin in Rom zu Tode peitschen (nach einer anderen Überlieferung: mit Keulen erschlagen) und die Leiche in die cloaca maxima werfen.

Das Martyrium Sebastians wurde erstmals 354 in Rom bezeugt, als Bestattungsort das coemeterium in catacumbas an der Via Appia genannt, in dem eine Zeit lang auch Petrus und Paulus verehrt wurden. Im 4. Jahrhundert wurde bei diesem Friedhof die Apostelkirche errichtet, die zu den sieben frühchristlichen Pilgerkirchen Roms gehörte. Anfang des 5. Jahrhunderts wurde das Grab so umgebaut, dass die vielen Pilger besseren Zugang bekamen. Im 9. Jahrhundert wurde die Apostelkirche in "Basilica San Sebastiano ad Catacumbas" umbe­nannt. In der heu­tigen Kirche be­findet sich eine Confessio auf dem überlieferten Platz seiner Be­stattung.

Der Festtag des heiligen Sebastians ist der 20. Januar. Er wird als einer der Schutzheiligen gegen Seuchen (eine Epidemie in Rom soll im Jahre 680 nach einer Prozession mit seinen Reliquien abgeflaut sein) und als Patron der Schützen sowie anderer Berufe verehrt. Darüber hinaus wird er als dritter Patron der Stadt Rom gefeiert. Das erste Martyrium des heiligen Sebastian wurde zum beliebten Thema in der Kunst der Renaissance, der unbekleidet am Baum stehende Märtyrer beliebtes Thema der Aktmalerei; heute findet er deshalb das Interesse von Homosexuellen und gilt ihnen als Patron gegen Aids.

Die Wahl des heiligen Sebastians als Roisdorfer Pfarrpatron geht zurück auf die ehemalige Sebastianuskapelle, die in den Jahren 1772/73 erbaut worden und noch nicht mit den Rechten einer Pfarrkirche ausgestattet war. Sie lag auf der Kreuzung von Brunnengasse, Siegesgasse, Siefengasse, Lehmtal (heute Ehrental) und Lindenberg. Nachdem 1876 in unmittelbarer Nachbarschaft das Schiff der alten Roisdorfer Pfarrkirche fertig gestellt worden war, wurde die Kapelle 1884 abgerissen. Erhalten geblieben sind u.a. zwei hölzerne Statuen des heiligen Sebastians und des heiligen Rochus, die heute beide an der vorderen Nordwand unserer Pfarrkirche angebracht sind.

Über die Wahl des Sebastianus-Patroziniums für diese Kapelle lassen sich heute nur Vermutungen anstellen. Der heilige Sebastian wurde in Mittelalter und früher Neuzeit zusammen mit dem heiligen Rochus als "Pestheiliger" verehrt, auch in unserer näheren Nachbarschaft. So ist Sebastian Nebenpatron in Brenig und in Sechtem. Seiner Fürbitte wurden auch die Siechenhäuser unterstellt, die man einrichtete, damit die Leprosen dort leben konnten, wegen der Ansteckungsgefahr weit genug entfernt von den Dörfern und Städten. Ein solches Siechenhaus gab es auch in Roisdorf: Das an der Einmündung der Siegesstraße auf die Bonner Straße gelegene "Sieches", an das der Name Siegesstraße – als Sieghausgasse 1689 belegt – bis heute erinnert. Als mögliche Erklärung der Wahl des Patroziniums der Kapelle bietet sich daher an, dass man den ursprünglich im Siechenhaus verehrten heiligen Sebastian zum Patron der ersten Roisdorfer Kapelle bestimmte.

Weitere Informationen zur Sebastianus-Kapelle sind zu finden unter www.heimatfreunde-roisdorf.de.