Erstmals urkundlich erwähnt wurde Hersel im Jahre 1136. Aus der Urkunde geht hervor, dass der Kölner Erzbischof Bruno II (1131-1137) frommen Stiftern erlaubte in Hersel ein Oratorium zu Ehren der Heiligen Cassius und Florentius zu errichten. Das Grundstück gehörte dem Cassiusstift in Bonn. Augustiner-Chorherren der Abtei Klosterrath vom Niederrhein verbanden hiermit eine  Niederlassung (Kloster) und übernahmen die Seelsorge. An der Stelle des früheren Oratoriums wurde später die Pfarrkirche St. Aegidius erbaut. Der Propst des Cassius-Stiftes ernannte nach Absprache mit dem Abt der Abtei Klosterrath den jeweiligen Priester. Bis zur Säkularisation (1802) konnte die Pfarrstelle durch einen Chorherren besetzt werden.

Da die Kirche nach den Reformationskriegen in einem schlechten Zustand war, wurde ein Neubau dringend notwendig. Im Jahre 1744 fand sich schließlich der Kölner Erzbischof Kurfürst Clemens August von Bayern bereit, den Neubau einer Kirche in Hersel zu unterstützen.  Aber nicht nur Erzbischof Clemens August, sondern auch sämtliche Bonner Stiftsherren wurden vom Kölner Generalvikar aufgefordert, ihren Beitrag zum Kirchenbau zu leisten. Im Jahre 1747 feierte man dann die Fertigstellung. Bei den Bauarbeiten wurden Mauerreste eines weitläufigen Klosters der Augustiner-Chorherren gefunden. Auf dem ehemaligen Friedhof, der unmittelbar an den heutigen Aegidiussaal der Ursulinenschule grenzt, stößt man bei Grabungen immer wieder auf Gebäudereste.

Aufgrund des starken Bevölkerungszuwachses musste eine neue, größere Kirche gebaut werden. 1884 verstarb das Gemeindemitglied Catharina Lambertz und bestimmte in ihrem Testament zwei Vermächtnisse für die Kath. Kirchengemeinde Hersel. Zuerst schlug man die Erweiterung der vorhandenen Kirche (heute Aegidiussaal) vor, doch im Jahre 1894 beschloss man, eine neue Pfarrkirche zu bauen.

Nach der Grundsteinlegung am 23.07.1899 wurde die heutige Pfarrkirche schließlich am 11.07.1901 von Erzbischof Hubertus Theophilus Simar konsekriert. Im Jahre 1948 wurden die Chorfenster von Peter Hecker neu entworfen. Die Umgestaltung des Chorraumes erfolgte in den 70er Jahren. Bei den Renovierungsarbeiten Anfang der 90er Jahre wurden das Dach, der Kirchturm, der Glockenstuhl, die Seitenfenster sowie die Fenster des Querhauses neu gestaltet. Die im Jahre 1905 von der Bonner Orgelbaufirma Johannes Klais erbaute Orgel konnte nach Restaurierung und Rekonstruktion am 15.01.2012 wieder neu geweiht werden.

Die Pfarrkirche wird von vielen liebevoll als „Herseler Dom“ bezeichnet.

Norbert Zerlett