geboren ca. 640 nach Christus in Athen
gestorben am 1. September 720 in Saint Gilles, Frankreich

Schutzpatron
• der Jäger, Hirten und Pferdehändler
• der Schiffbrüchigen
• der Bogenschützen
• der Bettler
• der Aussätzigen
• der stillenden Mütter

Wird angerufen
• gegen Geisteskrankheit
• gegen Unfruchtbarkeit bei Mensch und Tier
• gegen Trockenheit, Feuer und Sturm
• um Beistand für eine gute Beichte
• bei Verlassenheit

Aegidius, griechisch Ägidios (übersetzt „der Schildhalter“), französisch Gilles, kam als Pilger aus Athen in das Rhônetal und ließ sich in der Nähe von Arles tief im Wald als Eremit nieder. Die Legende besagt, dass Aegidius in seiner Höhle jeden Tag von einer Hirschkuh besucht wurde, die ihn mit ihrer Milch nährte.

Eines Tages wollten die Jäger des Königs das Wild erlegen, doch eine unsichtbare Kraft verhinderte, dass sie sich dem Tier nähern konnten. So ging es mehrere Tage, bis der König selbst mit auf die Jagd ging um die Hirschkuh zu schießen. Das Tier hatte sich zu Aegidius in die Höhle geflüchtet und lag dort zu seinen Füßen. Der König schoss blind einen Pfeil in die völlig mit Gestrüpp zugewachsene Höhlenöffnung. Als er nachsah, ob er getroffen hatte, fand er Aegidius blutend in seiner Höhle vor, die Hirschkuh unverletzt an ihn geschmiegt. Der Herrscher, der dieses Unglück verursacht hatte, bot Aegidius ärztlichen Beistand und Geld an. Der Einsiedler wollte sich jedoch nicht helfen lassen. Er bat den König nur um eines: Er sollte ihn hier in der Einsamkeit ein Kloster bauen lassen. Der König, froh, seine Schuld wiedergutmachen zu können, erfüllte Aegidius den Herzenswunsch.

So entstand um das Jahr 680 das Kloster Saint-Gilles, das bald eine große Zahl frommer Mönche beherbergte. Aegidius war der erste Abt und leitete das Kloster bis zu seinem friedlichen Tod am 1. September 720. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Klosterkirche.

Das Grab des Einsiedlers, das man noch heute besichtigen kann, war im Mittelalter ein berühmter Wallfahrtsort. Saint-Gilles lag an der wichtigen Pilgerstraße nach Santiago de Compostela und war einst Sammelstelle für Hunderttausende von Wallfahrern. Die Reliquien von Aegidius, der zu den 14 Nothelfern zählt, werden heute größtenteils in der Basilika Saint-Sernin in Toulouse aufbewahrt, dem größten romanischen Bauwerk Frankreichs.

Foto und Text: M. Reinders,
Quelle: Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf, Pattloch, 1992