Die Pfarrei St. Georg in Widdig kann keine lange Historie vorweisen. Sie wurde erst gegen Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gegründet. Engagierte Widdiger Katholiken setzten in sehr schwierigen wirtschaftlichen Zeiten ein markantes Zeichen, indem sie das Kirchengebäude "Sankt Georg"  (Grundsteinlegung: 1927, Weihe: 1929) erbauten. Die Gemeinschaft der Gläubigen war zunächst abhängiges Rektorat, ab 1936 dann Rektoratspfarrei. Erst im Jahre 1973 wurde sie von Joseph Kardinal Höffner zur selbständigen, d.h. kanonischen, Pfarrei erhoben.

Die Ortschaft Widdig besaß aber bereits seit mehreren Jahrhunderten eine Kapelle. Hier wurde der heilige Georg als Schutzpatron der Landbevölkerung und des lieben Viehs verehrt. Das alte Kapellengebäude, das noch näher am Rhein gestanden hatte als das heutige Gotteshaus, war bei einem Hochwasser im Jahre 1784 in die Fluten gerissen worden, als das unterspülte Steilufer abrutschte. Daraufhin wurde – in sicherer Entfernung vom Rhein nahe der Römerstraße – eine neue Kapelle errichtet, die 1938 wegen Baufälligkeit abgetragen werden musste.

Eine über 350-jährige Tradition in unse­rer Pfarrei hat die Georgs-Prozession, die jedes Jahr anlässlich des Patroziniums (Ende April bis Anfang Mai) durch den ganzen Ort zieht. In früheren Jahrhunderten wurde die festlich geschmückte Georgstatue bis nach Uedorf und dann ganz um Widdig herum getragen, bevor man wieder den Weg zurück zur Kapelle mitten im Dorf einschlug.

Die Eigenständigkeit der kleinen Pfarrei St. Georg in Widdig konnte bis zum heutigen Tage bewahrt werden. Im Jahre 1984 wurde die seelsorgerische Verbindung mit der Pfarrei St. Aegidius in Hersel vorgenommen. 29 Jahre (1984 – 2013) war Msgr. Pfr. Anno Burghof Pfarrer in beiden Kirchengemeinden. Die seelsorgerische Betreuung "vor Ort" übt seit den 80-er Jahren der im Widdiger Pfarrhaus wohnende Diakon aus. Dies ist seit nunmehr 30 Jahren Diakon Hubert Ganser.

Am 1. April 2003 wurden die Pfarreien St. Aegidius (Hersel), St. Georg (Widdig), St. Evergislus (Brenig), St. Sebastian (Roisdorf) und St. Servatius (Bornheim) zu dem Seelsorgebereich "Bornheim – An Rhein und Vorgebirge" zusammen geschlossen. Am 15. September 2013 wurde Pfarrer Jörg Stockem mit der Leitung des Seelsorgebereichs betraut.

In den achtziger Jahren zeigte sich die Erfordernis, das in wirtschaftlichen Notzeiten und mit mancherlei "Kompromissen" errichtete Gotteshaus von Grund auf zu renovieren. Die umfangreichen Bauarbeiten, die 1986 begannen und fast drei Jahre in Anspruch nahmen, wurden von einer kontroversen Auseinandersetzung um die neuen, von dem bekannten Dürener Glaskünstler Herb Schiffer entworfenen, farblich und figürlich eindrucksvoll ausgestalteten Kirchenfenster begleitet. Die Darstellungen der kleinen Hakenkreuzsymbole im "Kolbe-Fenster" (im Kirchenschiff vorne links) erregten damals internationales Aufsehen. Der darüber entstandene Wirbel bescherte unserem Gotteshaus nicht nur "hochkarätige" politische Besucher, sondern auch diverse Erwähnungen in überregional erscheinenden Zeitungen bzw. Schriftenreihen.

Ein weiteres, zentrales Anliegen der Renovierung war die Umgestaltung des gesamten Altarraumes im Hinblick auf die Liturgiereform im Anschluss an das II. Vatikanische Konzil in Rom.

1992 wurden unsere kirchlichen Einrichtungen mit dem Pfarrheimanbau (Pfarrbüro, Pfarrsaal und KÖB) vervollständigt.

Text und Fotos: Hans-Gerd Steinheuer